Corporate Design ist „strategisch geplante und operativ eingesetzte Selbstdarstellung und Verhaltensweise eines Unternehmens nach innen und außen auf Basis einer festgelegten Unternehmensphilosophie, einer langfristigen Unternehmenszielsetzung und eines definierten (Soll-)Images – mit dem Willen, alle Handlungsinstrumente des Unternehmens in einheitlichem Rahmen nach innen und außen zur Darstellung zu bringen" K. Birkigt, M.M. Stadler und H.J. Funck, Corporate Identity, Verlag Moderne Industrie, Landsberg.
Der Frage ob es für eine „kleine Ortsfeuerwehr" nottut, sich dem gestalterischen Zwang eines professionellen Corporate Designs zu unterwerfen werde ich nicht nachgehen. Die Freude und der Eifer, mit dem das neue Logo und die Logofarben in die Wehrkommunikation eingebaut werden spricht eigentlich nur dafür.
Die Freiwilligen Feuerwehren leisten heute wesentlich mehr als reinen Brandschutz in ihrer Gemeinde. Sie sind wie kleine Unternehmen mit vielfältigen Aufgaben und vielseitigem Angebot. Die Freiwillige Feuerwehr Drais unterhält neben der Feuerwehr-Einsatzmannschaft, eine Jugendfeuerwehr für 10-17 Jährige, eine Kinderfeuerwehr für 7-9 Jährige, einen Förderverein, eine eigene Feuerwehrkapelle sowie ein Jugendorchester und einen Trommlerzug. Daneben ist die Feuerwehr in zahlreiche Veranstaltungen des Ortslebens und des Feuerwehrverbandes involviert. Um diesem Gesamtbild Freiwillige Feuerwehr Drais die nötige Optik nach innen und außen zu geben wurde das neue Erscheinungsbild erstellt, in dessen Kern das Logo steht.
Am Anfang eines jeden kreativen Prozesses steht immer die Suche nach einer Idee. Dazu gehört die Analyse des Umfeldes und der Konkurrenz. Dank neuer Medien kann man sich diese Suche recht einfach machen, indem man bei der google-Bildersuche die Begriffe „Feuerwehr + Logo" eingibt und das Ergebnis, dass ich der Analyse zu Grunde gelegt habe, kann von jedem eingesehen werden: Feuerwehren haben als Erkennungszeichen in den meisten Fällen das Ortswappen und Kombinationen mit Flammen, Helmen, Strahlrohren und Äxten und sind in den Farben rot, blau und grau/schwarz gehalten. Da es Sinn eines Logos ist, eine eigenständige und unverwechselbare Bildmarke zu sein, kam diese Art der Gestaltung für mich nicht in Frage.

Bei der Suche nach einem für die Draiser Wehr passenen Bildelement kam ich auf das in der Draiser Jugendfeuerwehr bereits seit einigen Jahren verwendete Tier, dem Feuersalamander. Dieser trägt das Feuer nicht nur im Namen. Mit seiner auffälligen schwarz-gelben Körperzeichnung erinnert er tatsächlich an das Aussehen der Feuerwehreinsatzuniformen, was mich auch zu meinem Farbkonzept brachte. Sicherlich ist die dominanteste Farbe der Feuerwehr das Rot der Autos, wer aber Feuerwehrleute in Aktion gesehen hat, vor allem in der Dämmerung, dem werden die dunkelblauen Einsatzuniformen mit den gelben Reflexstreifen in Erinnerung geblieben sein. Aus diesen Jacken habe ich die zwei Primärfarben des Logos „Reflex" und „Nomex" entwickelt.
Vom Finden der Bildidee "Feuersalamander" bis zur endgültigen Gestalt des Logos war es jedoch noch ein langer Weg. Das Ziel sollte eine abstrakte Form sein, die zwar den Salamander erkennen ließ, in erster Linie aber Bewegung und Dynamik ausdrückt und das Thema "Feuerwehr" transportiert. Dazu waren viele Schritte notwendig. Immer wieder wurde per Zeichenstift oder Computer „Form" und „Bewegung" gesucht. Ich habe vieles ausprobiert, was an Abstraktion geht oder was nicht, welche Bewegungsform noch dem Tier anatomisch entsprechen kann, wie Kopf, Beine und die Hautzeichnung abstrahiert werden können. Als Ergebnis steht nun dieses Bild eines Feuersalamanders, an einen aufstrebenden Pfeil erinnernd, gebildet aus nomexfarbenen Flächen, aus deren Mitte das Reflexgelb quasi nach außen scheint, womit auch noch der Bogen zur Flamme geschlagen wurde.
Ergänzend zur Bildmarke habe ich den eigenständigen, aus einer modernen serifenlosen Groteskschrift entwickelten, Schriftzug „Freiwillige Feuerwehr Drais" gestaltet. Um in der Schrift den Aspekt der Schnelligkeit zu betonen, handelt es sich um eine starke Kursivschrift, wobei der Neigungswinkel genau 112° beträgt, ein kleines Zahlenspiel. Zusätzlich sind die einzelnen Lettern an einigen Stellen aufgebrochen um den Bezug zur Bildmarke herzustellen.
Insgesamt ist meiner Meinung nach ein modernes Signet entstanden, das der Draiser Feuerwehr ein eigenständiges, professionelles Erscheinungsbild mit hohem Wiedererkennungswert gibt. Auf dieses Logo aufbauend entstanden und entstehen immer weitere Anwendungen und Überarbeitungen die ein Corporate Design, das ja wesentlich mehr umfasst als das bloße Logo, auch beinhaltet.
Anne Hook, Dipl. Designerin, acs-design